APAT
Ambulante Parenterale AntiinfektivaTherapie
APAT bedeutet „ambulante parenterale Antiinfektivatherapie“.
Die stationär begonnene intravenöse oder intramuskuläre Antiinfektivatherapie soll ambulant fortgeführt werden. Dabei werden Medikamente im ambulanten Bereich oder in häuslicher Umgebung des Patienten verabreicht. Zu den zu verabreichenden Medikamenten zählen Antibiotika, Virostatika und Antimykotika.
Eine applikationsfertige und unter aseptischen Bedingungen hergestellte Infusionslösung wird in Form einer Kurzinfusion über einen sicheren venösen Zugang verabreicht. Diese Therapieform verringert die stationäre Verweildauer, fördert die Unabhängigkeit während der Therapie und erleichtert die Rückkehr in das vertraute Umfeld.
G-BA-Beschluss vom 16.08.2023
„… Die ambulante parenterale Antibiotikatherapie bietet für jene Patientinnen und Patienten, für die keine orale Antibiotikatherapie möglich ist, das Potenzial, unnötige stationäre Krankenhausaufenthalte zu vermeiden und die ambulante Versorgung der Bevölkerung zukünftig weiter auszubauen. Das Projekt K-APAT konnte erste wichtige Erkenntnisse zu Behandlungserfolg, Akzeptanz und Nutzen einer APAT für die Region Köln aufzeigen und so wichtige Impulse zur Weiterentwicklung setzen. Der Innovationssauschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss teilt die Auffassung des Projekts, dass eine Weiterentwicklung der APAT sowohl die Zufriedenheit von Patientinnen und Patienten erhöhen als auch eine für Kliniken entlastende Leistung darstellen kann…“ (vgl. G-BA-Beschlusstext, vom 16.08.2023, S. 2)
Quelle: „https://innovationsfonds.g-ba.de/downloads/beschluss-dokumente/435/2023-08-16_K-APAT.pdf“
Vorteile
- Reduzierung des Krankenhausaufenthaltes des Patienten
- deutliche Kosteneinsparungen in Kliniken
- höhere Aufnahmekapazitäten für Kliniken
- deutliche Steigerung der Patientenzufriedenheit
- Steigerung der Lebensqualität
- Flexibilität für Patienten
- individuelle Begleitung des Patienten durch fachkompetente Therapiemanager
- nachhaltige Dokumentation
Indikationen
- kardiovaskuläre Infektionen (Endokarditis)
- Haut- und Weichteilinfektionen
- Knochen- und Gelenkinfektionen
- Infektionen des zentralen Nervensystems
- Infektionen bei immunsupprimierten Patienten
- Mukoviszidose
- Tuberkulose
- Urogenitalinfektionen
- Infektionen des Respirationstraktes
- Diabetisches Fußsyndrom
- Intraabdominelle Infektionen
Voraussetzungen und Zugänge
Ein sicherer venöser Zugang ist Voraussetzung für eine gut funktionierende APAT. Folgende Kathetervarianten können einfach und kostengünstig, sowohl ambulant als auch stationär, gelegt werden:

Der PICC-Line (Peripherally Inserted Central Catheter) ist ein zentralvenöser Zugang, der über eine periphere Vene am Oberarm eingeführt wird. Die Katheterspitze wird in der oberen Hohlvene (Vena cava superior) positioniert. Sie eignet sich besonders für intravenöse, mittelfristige Therapien von 1 bis 6 Monaten und stellt eine ausgezeichnete Alternative zu anderen zentralvenösen Kathetersystemen, wie dem Port-System oder dem zentralen Venenkatheter (ZVK), dar.
- optimale und sichere Zugänge für eine APAT
- stationäre oder ambulante Platzierung
- Liegedauer bis zu mehreren Monaten
- Lagekontrolle über eine EKG-Ableitung
- Einfache Entfernung des Katheters, die auch ambulant möglich ist
Applikation über Elastomerpumpen

Im Rahmen der ambulanten parenteralen Antiinfektivatherapie (APAT) werden zur Arzneimittelapplikation Elastomerpumpen eingesetzt. Diese medizinischen Pumpen sind zum einmaligen Gebrauch bestimmt und ermöglichen eine unkomplizierte, stromfreie Infusion von Medikamenten.
Funktionsweise einer Elastomerpumpe
Ein Ballon aus elastischem Material wird mit der Infusionslösung befüllt.
Durch die Elastizität des Ballonmaterials dehnt sich der Ballon aus und erzeugt einen Druck, der die Infusionslösung in die venöse Blutbahn transportiert.
Es sind keine Einstellungen durch den Arzt oder den Patienten erforderlich, da ein Flussbegrenzer die Infusionsgeschwindigkeit reguliert.
Die Pumpe arbeitet durch das kontinuierliche Zusammenziehen des elastomeren Ballons, der mit dem Medikament befüllt ist. Innerhalb der an den Ballon angeschlossenen Infusionsleitung befindet sich der Durchflussbegrenzer (auch Kapillare oder Restriktor genannt), der maßgeblich die Flussrate durch die Druckdifferenz zwischen seinem Ein- und Ausgang definiert.
Vorteile einer Elastomerpumpe
Einfache Handhabung: Keine komplexen Einstellungen oder externe Stromquellen erforderlich. Der Flussbegrenzer reguliert die Infusionsgeschwindigkeit automatisch.
Hohe Mobilität: Ohne Batterien oder Kabel sind Elastomerpumpen ideal für ambulante Patienten oder den Einsatz unterwegs.
Geringes Risiko von Fehlfunktionen: Durch die mechanische Funktionsweise sind sie weniger anfällig für technische Probleme im Vergleich zu elektronischen Pumpen.
Kosteneffizienz: Elastomerpumpen sind in der Regel kostengünstiger als elektronische Infusionspumpen.
Vielseitigkeit: Sie können für verschiedene Medikamente und Infusionslösungen verwendet werden.
Je nach Fabrikat und Anwendungsbereich können Flussraten zwischen 0,3 ml/h und 250 ml/h gewählt werden.
Eine erfolgreiche APAT erfordert eine enge Abstimmung zwischen Patient, behandelndem Arzt und Pflegefachpersonal. Patienten sollten stets die Kontaktdaten ihrer Ansprechpartner griffbereit haben, um bei Komplikationen oder Notfällen, wie dem unbeabsichtigten Entfernen eines Katheters, schnell reagieren zu können.
Wie lange dauert eine APAT?
Die Dauer einer APAT kann von mehreren Tagen bis hin zu mehreren Wochen variieren. Sie richtet sich nach der Art der Infektion und den verabreichten Medikamenten. Beispielsweise erfordert die Behandlung einer Protheseninfektion in der Regel eine antibiotische Therapie über etwa 12 Wochen. Der behandelnde Arzt legt die genaue Dauer individuell fest.