Ernährungstherapie
Ein wesentlicher Bestandteil der medizinischen Versorgung
Es gibt Situationen im Leben, in denen die selbstständige Nahrungsaufnahme nicht mehr ausreicht oder nicht mehr möglich ist. In solchen Fällen spielt die künstliche Ernährung eine entscheidende Rolle für die Genesung, die Lebensqualität und die Erhaltung der körperlichen Funktionen. Besonders nach schweren Erkrankungen, Operationen oder im Rahmen von Krebstherapien kann eine gezielte Ernährungstherapie lebensnotwendig sein.
Experten unterscheiden hierbei zwei Hauptformen der künstlichen Ernährung: die enterale Ernährung (Sondenernährung) und die parenterale Ernährung (Ernährung über die Blutbahn). Beide Methoden können je nach Bedarf kombiniert werden und sind individuell an die gesundheitliche Situation der Patienten angepasst.


Enterale Ernährung
Die enterale Ernährung erfolgt direkt in den Magen oder Darm. Sie wird eingesetzt, wenn die Verdauungsfunktion intakt ist, die orale Nahrungsaufnahme jedoch nicht ausreicht. Mögliche Formen der enteralen Ernährung sind:
Sondenernährung über eine Nasensonde oder eine PEG-Sonde
Gabe von spezieller Trinknahrung zur Nahrungsergänzung
Die Vorteile der enteralen Ernährung liegen in der natürlichen Nutzung des Verdauungstrakts, was die Darmfunktion aufrechterhält und das Infektionsrisiko im Vergleich zur parenteralen Ernährung reduziert. Zudem fördert sie die physiologische Aufnahme von Nährstoffen und erleichtert die Stoffwechselregulation.
Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen erfolgt unter bestimmten medizinischen Voraussetzungen und erfordert eine ärztliche Verordnung.

Parenterale Ernährung
Wenn eine enterale Ernährung nicht möglich oder nicht ausreichend ist, wird die parenterale Ernährung eingesetzt. Dabei werden lebenswichtige Nährstoffe wie Aminosäuren, Glukose und Fette direkt in die Blutbahn infundiert.
Die parenterale Ernährung kann als:
ausschließliche oder ergänzende Ernährung erfolgen
über standardisierte Infusionslösungen oder individuell angepasste Mischungen verabreicht werden (Compounding)
In besonderen Fällen bietet die Individuell hergestellte parenterale Ernährung den Vorteil, dass sie exakt auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt werden kann. Dabei können spezifische Stoffwechselerkrankungen berücksichtigt oder Unverträglichkeiten vermieden werden.
Die Kosten dieser speziellen Arzeimitteltherapie werden von den Krankenkassen übernommen und erfordern eine ärztliche Verordnung. Eine regelmäßige ärztliche Kontrolle ist erforderlich, um den Ernährungsstatus und eventuelle Nebenwirkungen zu überwachen.

Mangelernährung
Mangelernährung ist ein ernstzunehmendes Gesundheitsproblem, das vor allem bei älteren Menschen, Krebspatienten sowie chronisch Kranken auftritt. Die rechtzeitige Diagnose und gezielte Ernährungstherapie sind entscheidend, um die Widerstandskraft des Körpers zu erhalten und Heilungsprozesse zu unterstützen.
Häufige Ursachen für Mangelernährung sind:
- Chronische Erkrankungen (z. B. Krebs, COPD, Herzinsuffizienz)
- Appetitlosigkeit aufgrund von Medikamenten oder Therapien
- Kau- und Schluckstörungen
- Erhöhter Energiebedarf durch Erkrankungen oder Wundheilung
Die Folgen einer Mangelernährung können gravierend sein und reichen von Muskelabbau und Immunschwäche bis hin zu erhöhter Infektanfälligkeit und verlangsamter Wundheilung. Daher ist eine frühzeitige Intervention mit enteraler oder parenteraler Ernährung essenziell, um den Gesundheitszustand zu stabilisieren und wieder zu verbessern.
Ob enterale oder parenterale Ernährung – eine individuell abgestimmte Ernährungstherapie leistet einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität, Steigerung der Selbständigkeit und Senkung der Sterblichkeit (Quelle Publikation DGEM Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin) .